Der Espresso Lungo

Ob Ristretto, Americano, Macchiato oder Lungo – sie basieren alle auf Espresso. Kannten früher nur Barista diese Kaffees, haben sie heute ihre Exotik verloren. Sie stehen längst auf den Karten guter Cafés und sind ausgesprochen beliebt. Aber worin besteht der Unterschied?

Auf einen Blick
Was ist ein Kaffee Lungo?
Ristretto, Doppio, Americano - der Unterschied zum Lungo
Die Barista Definition
Einen Espresso Lungo zubereiten
Etwas Geduld mitbringen: Die Durchlaufzeit verlängern
Den Mahlgrad wählen: gegen Unterextraktion und Überextraktion
Lungo Tassen – Glas oder Porzellan?

Was ist ein Kaffee Lungo?

Der Lungo war vor nicht allzu langer Zeit eine Art „No Go“. Aufgrund seines im Vergleich zum Espresso höheren Wasseranteils und des dadurch schwächeren Körpers, galt er als minderwertig. Auch der Geschmack fand nicht gerade das Wohlwollen der Profis.

Trotzdem ließ er ihnen wohl keine Ruhe. Sie drehten so lange an den Stellschrauben der Zubereitung, bis dieser Kaffee ausgewogen und aromatisch schmeckte.

Ristretto, Doppio, Americano - der Unterschied zum Lungo

Sehr klein und sehr stark. Der Ristretto ist noch stärker als ein Espresso.  Für die gleiche Menge Kaffee wird weniger Wasser verwendet. Zusätzlich sind seine Bohnen feiner gemahlen. Das erhöht die Extraktion.

Ein Doppio ist nichts weiter als ein doppelter Espresso d.h., die Zubereitung erfolgt mit der jeweils doppelten Menge Kaffee und Wasser.

Espresso Lungo - der Unterschied
Wie der Name schon vermuten lässt, kamen die Amerikaner auf die Idee. Nach dem Krieg in Italien mit dem Espresso konfrontiert, bestellten die stationierten GI heißes Wasser dazu. Er war ihnen schlicht zu stark. Also verdünnten sie ihn mit ein wenig Wasser und der Americano war geboren.

Viele Barista bereiten ihn jedoch in umgekehrter Reihenfolge zu. Sie geben etwas heißes Wasser in eine Tasse und gießen dann einen doppelten Espresso auf. Danach entfernen sie wegen der enthaltenen Bitterstoffe die Crema.

Die Barista Definition

Lässt sich leicht merken:“Ein Lungo ist ein langer Espresso.“ Er wird mit der doppelten Wassermenge zubereitet bzw. verlängert und die Extraktionszeit auf ca. 40-50 Sekunden erhöht. Im Mund fühlt sich sein Körper daher dünner an, als bei einem Espresso.

Doch warum soll ein normaler Espresso überhaupt verlängert werden? Ein Barista würde wahrscheinlich darauf antworten:“Weil der Gast denkt, dass er mehr in der Tasse hat.“ Dabei geht ein Lungo optisch wie geschmacklich eher in die Richtung eines normalen Kaffees.

Einen Espresso Lungo zubereiten

Was per Definition so einfach klingt, ist tatsächlich etwas knifflig. Wer an der Zeitschraube dreht, trägt das Riskio einer Unter,- oder Überextraktion. Falsch eingestellt wird der Lungo entweder zu dünn oder zu bitter.

Neben der Auswahl der Bohnen und deren Röstung, entscheidet die Extraktion während der Zubereitung über Erfolg oder Misserfolg:

  1. Bei der Unterextraktion gehen zu wenig Bestandteile des Geschmacks und Aromas in das Wasser über. Er schmeckt zu säuerlich.
  2. Eine Überextraktion bewirkt das Gegenteil. An Geschmack und Aromen wandert zu viel des Guten ins Wasser. Der Espresso schmeckt bitter.

Als wohlschmeckend oder gut wird er nur empfunden, wenn sich die bitteren und säuerlichen Bestandteile die Waage halten d.h. ausgeglichen sind.

Natürlich empfindet das jeder anders, aber es sind nur geringe Abweichungen, die auf geschmacklichen Vorlieben beruhen. Extreme Schwankungen werden meist von allen wahrgenommen, wie z.B. als zu wässrig, zu bitter oder zu sauer. Wie kann ich das beeinflussen?

Etwas Geduld mitbringen: Die Durchlaufzeit verlängern

Die Verlängerung der Durchlaufzeit erhöht das Volumen des Espresso. Sind 50 ml erreicht, wird der Wasserzulauf gestoppt.

Kaffee Lungo

Nimmt er eine goldgelbe Farbe an, sollte er nicht länger laufen.

Kaffeemenge: 8-10 Gramm
Wasser: ca. 50 ml
Durchlaufzeit: 40-50 Sekunden
Empfehlung: 70/30 Mischung Arabica und Robusta Bohnen

Den Mahlgrad wählen: gegen Unterextraktion und Überextraktion

Wie bei allen Zubereitungsarten muss der Mahlgrad beim Kaffee stimmen. Je feiner er ist, desto langsamer läuft das Wasser durch das Kaffeepulver. Je länger es Kontakt mit dem Wasser hat, desto mehr Inhaltsstoffe werden extrahiert.

Für einen Lungo sollte der Mahlgrad etwas gröber als für eine normale Espressomahlung sein.


Dadurch verringert sich die Oberfläche des Kaffees und die Gefahr der Überextraktion sinkt. Zu grob gemahlen, führt der Durchlauf zur Unterextraktion.

Lungo Tassen – Glas oder Porzellan?

Das Material bleibt dem eigenen Geschmack oder Ritualen überlassen. Auf jeden Fall sollte ein Lungo aus Espressotassen oder einem Esspressoglas mit entsprechend geringem Fassungvermögen getrunken werden. Alles andere wäre ein grober Stilbruch.

 

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